Pflegende Angehörige, was bedeutet das? – ExpertInnen Tipps für zu Hause!

Sind Sie demnächst in der Situation einen Angehörigen, oder Bekannten zu Hause zu betreuen? Vielleicht sogar zu pflegen?

Wir haben mit unserer Expertin, Frau DGKP Sandra Brandhuber über dieses Thema gesprochen! Im folgenden Interview erhalten Sie einen Einblick und Überblick was Sie erwartet.

Lesen Sie hier wie Sie mit so einer Situation umgehen können. Fr. Brandhuber war lange in der Hauskrankenpflege tätig. Als DGKP und Case Managerin beim Wr. Roten Kreuz hat Sie vielen pflegenden Angehörigen und KlientInnen geholfen!

Pflegende Angehörige
Pflege zu Hause

Frau Brandhuber, was sollten die Angehörigen bedenken und/oder beachten wenn es darum geht jemand zu Hause zu betreuen oder gar zu pflegen?

Nun, zu aller erst sollte man sich seine eigene Situation vor Augen führen! Wie sieht die Familiäre Situation aus, habe ich Platz im Haus/Wohnung um einen Raum umzugestalten. Falls notwendig, stellt sich die Frage: kann ich alles Behindertengerecht bzw. Rollstuhl gerecht einrichten? Oftmals sind die eigenen Räume nicht geeignet. Es ergibt sich aber die Möglichkeit den Pflegenden in seiner eigenen Umgebung zu lassen und eine Pflegeperson einzustellen.

Ein sehr wichtiger Punkt ist für sich selber zu bedenken: Kann ich das überhaupt? Schaffe ich es, meine eigene Mutter/Vater/Oma/Opa zu pflegen? Viele Angehörige können es einfach nicht, bzw. die zu Pflegenden wollen es auch gar nicht! Hier ist der Dialog unter den Betroffenen sehr wichtig! Auch wenn dies nicht immer einfach ist.

Wenn man Berufstätig ist und seine eigene Familie hat, sollte man sich gut überlegen ob es möglich ist, noch jemand 24 Stunden – 7 Tage die Woche zu pflegen.

Frau Brandhuber, gibt es Möglichkeiten, dass man hier Unterstützung bekommt, außer einen 24 Stunden Pflegedienst?

Ja die gibt es! Wenn der Angehörige noch im Krankenhaus ist, kann man sich in den meisten Krankenhäusern mit einem „EntlassungsmanagerIn“ besprechen. Diese geben Informationen und Broschüren ab. Ich würde jeden Raten, so ein Gespräch in Anspruch zu nehmen. Die speziell auf diesem Gebiet ausgebildeten ManagerInnen können Ihnen genau sagen wer, wo, wie in Ihrer Nähe zuständig ist, ob es finanzielle Unterstützung gibt. Wie man um Pflegegeld einreicht und vieles mehr.#

Wenn Sie diese Möglichkeit nicht haben, dann fragen Sie in ihrem Bekanntenkreis. Oftmals pflegen Nachbarn, oder Bekannte/Freunde auch jemand und können Ihnen einen mobilen Pflegedienst empfehlen! Meistens haben auch Praktische Ärzte oder die Gemeinde, Informationsbroschüren und Telefonnummern von verschiedenen Organisationen. Einige namhafte sind: Volkshilfe, Hilfswerk, Rotes Kreuz, Caritas Socialis usw.

Frau Brandhuber, wie läuft es dann ab, wenn ich einen dieser mobilen Dienste beauftrage? Gibt es da etwas zu beachten?

Im Normalfall wird ein MitarbeiterIn von dem mobilen Dienst zu Ihnen nach Hause kommen, sich die Wohnsituation anschauen, die Unterlagen vom Krankenhaus, Arztbriefe etc. und anschließend mit Ihnen gemeinsam besprechen welche Art von Betreuung nötig ist. Die MitarbeiterInnen sind ExpertInnen auf diesem Gebiet! Sie erhalten hier die nötigen Informationen wie Sie zu Pflegematerialien kommen, welche Produkte/Artikel benötigt werden, ob die Wohnung/Haus angepasst werden muss. Speziell im Badezimmer und WC sind meistens Griffe oder Sitzerhöhungen, Badewannenlifter usw. anzubringen. Außerdem bekommen Sie auch gleich Unterstützung für Anträge bei Behörden und Sie erfahren zu meist auch noch einige Möglichkeiten wie Sie ihre Angehörigen/Bekannten am Leben „aktiv“ teilhaben lassen können. Sei es, wenn eine mobile FrisörIn oder Physio TherapeutIn benötigen. Mobile Pediküre oder aber auch Ärzte, die noch Haus Besuche machen.

Frau Brandhuber: wo genau ist da der Unterschied zu einer 24 Stunden Betreuung?

Hier gibt es im Vorfeld auch ein ausführliches Gespräch mit der Vermittlungsfirma. Diese suchen dann zumeist 2 Pflegepersonen aus dem Ausland für Sie aus. In verschiedenen Wochenabständen wechseln sich die PflegerInnen dann ab. Heißt, zB. alle 2 Wochen ist eine andere PflegerIn bei Ihnen zu Hause und kümmert sich um ihren Angehörigen. Sie sollten hierbei unbedingt beachten, immer wieder selber einmal ein Auge darauf zu haben, ob ihre Angehörigen auch wirklich gut gepflegt werden, gut versorgt sind und der Haushalt gut gepflegt ist! Es gibt hier leider sehr viele „schwarze Schafe“ die zwar günstig sind, aber sich nach Übergabe der PflegerInnen nicht mehr kümmern! Ich würde Ihnen hier empfehlen bei der Auswahl einer Firma auch im Freundeskreis zu fragen. Meist hat jemand eine gute Empfehlung für Sie! Vertrauenswürdige Firmen bieten meistens Unterstützung bei den Behördenwegen und Kontrolle ihrer PflegerInnen an. Scheuen Sie sich nicht, bei Unzufriedenheit, schlechter Pflege oder anderer Verfehlungen der PflegerInnen, die Firma zu kontaktieren und eine Änderung zu verlangen! Falls Sie das Gefühl haben, mit dieser Firma klappt es nicht, dann lieber auch die Pflegefirma wechseln, als ihren Angehörigen zu gefährden.

Frau Brandhuber, kann ich sogenannte „schwarze Schafe“ im Vorfeld erkennen?

Wie schon erwähnt, hören Sie sich um!! Zumeist hat jemand im Umfeld schon Erfahrungen gemacht und kann Ihnen eine zuverlässige Stelle empfehlen. Auf den Webseiten, oder Werbeeinschaltungen kann man im Vorfeld leider kaum „schwarze Schafe“ erkennen. Ein Indikator kann sein, wenn auf Ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht eingegangen wird. Gibt es darauf eine stimmige Antwort, warum dieser Wunsch nicht erfüllbar ist, oder möchte die Firma gar nicht weiterhelfen?! Ein Beispiel: Sie möchten Pflegepersonen die gut Deutsch sprechen und einen Führerschein haben. Auto stellen Sie zur Verfügung. Die Firma sagt zu und schickt Ihnen dann jemand der kaum Deutsch spricht, noch einen Führerschein besitzt. Auf Nachfrage erfahren Sie: die Pflegeperson ist nur die ersten 2 Wochen bei Ihnen, wir konnten so schnell niemand mit diesen Anforderungen finden, ab dann haben Sie aber 2 passende Pflegepersonen. Das wäre für mich in Ordnung. Wenn aber dann nur Ausflüchte kommen, kein Entgegenkommen, keine Änderung, dann hat man mit Sicherheit ein „schwarzes Schaf“ erwischt.

Frau Brandhuber, abschließend noch eine Frage: würden Sie die Pflege zu Hause empfehlen?

Dies ist eine ganz persönliche Entscheidung eines jeden einzelnen! Für mich persönlich ist es eine sehr schöne Geschichte, wenn die Angehörigen zu Hause in den eigenen 4 Wänden bleiben können! Es ist leider nicht immer möglich, da die Gegebenheiten oft nicht ausreichen! Einen Angehörigen bei sich zu Hause aufzunehmen ist halt leider auch oft nicht durchführbar. Ich würde sagen, wenn immer es möglich ist, dann sollte dies auch ermöglicht werden, ich selber wäre auch lieber zu Hause. Dies ist für jeden individuell verschieden! Es gibt natürlich auch Menschen, die sehr gerne in Altersheimen leben, da sie da unter anderen Menschen sind und Abwechslung geboten wird, solange es geht.

Herzlichen Dank das Sie sich unseren Fragen gestellt haben!

 

 

 

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